Kfz-Versicherung und Lebensversicherung: Warum ausländische Policen in der Ukraine nicht ausreichen

Einleitung

Die Ukraine steht unter Dauerbeschuss – und das hat eine stille Versicherungskrise ausgelöst, von der kaum jemand spricht. Während internationale Versicherer ihre Büros in Kiew räumten oder ganz aus dem Land verschwanden, sitzen Millionen Ukrainer auf Policen, die im Krisenfall keinen Schutz bieten. Das ist nicht Pech, sondern Absicht: Westliche Konzerne können die Risiken schlicht nicht kalkulieren und wollen ihre Bilanzen nicht durch unkontrollierbare Schadensersatzforderungen gefährden.

Wer in der Ukraine lebt oder arbeitet – ob als Resident, Rückkehrer oder Unternehmer – braucht deshalb Versicherungen, die die tatsächliche Realität berücksichtigen. Standardpolicen aus München oder Zürich sind nicht einfach unzureichend: Sie sind faktisch wertlos, wenn es darauf ankommt.

Warum internationale Versicherer das Land verlassen haben

Die klassische Versicherungslogik funktioniert mit Daten und Statistiken. Je mehr Unfälle dokumentiert sind, desto präziser lässt sich ein Risiko berechnen – und desto profitabler die Police. Mit Kriegsszenarien ist diese Mathematik zusammengebrochen.

Ein Luftangriff auf eine Autowerkstatt in Charkiw lässt sich nicht vorhersagen wie ein Verkehrsunfall auf der Autobahn. Ein Drohnenanschlag auf ein Wohngebäude in Kiew ist statistisch nicht modellierbar. Deshalb haben die großen europäischen Versicherer – Allianz, AXA, Generali – ihre Geschäftstätigkeit in der Ukraine suspendiert oder komplett beendet. Nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus purer Geschäftskalkulation.

Was übrigblieb, sind Kriegsausschlussklauseln in bestehenden Policen. Diese sind nicht diskret versteckt – sie sind deutlich aufgelistet und schließen konkret aus:

  • Alle Schäden durch Kriegshandlungen, bewaffnete Konflikte oder militärische Operationen
  • Bombardierungen, Artilleriebeschuss und deren Folgeschäden
  • Terroristische Anschläge und Sabotage-Akte
  • Fahrzeugverluste bei Fluchtversuchen aus Kriegszonen
  • Sachschäden während Unruhen oder militärischer Besetzung

Manche Versicherer gehen noch weiter: Sie verweigern Zahlungen, wenn der Versicherte während des Konflikts in betroffenen Regionen tätig war – unabhängig davon, ob der konkrete Schadensfall damit zusammenhängt. Das führt zu absurden Szenarien: Ein Taxifahrer wird in Lviv in einen Unfall verwickelt, der mit dem Krieg nichts zu tun hat – doch die Versicherung zahlt nicht, weil der Fahrer in einem "Kriegsgebiet" tätig war.

Die drei kritischen Lücken bei Kfz-Versicherungen

Geografische Schere: Viele ausstehenden Policen decken nur bestimmte Regionen ab oder schließen ganze Landstriche komplett aus. Kiew ist eingeschränkt, Charkiw ist tabu, die Donbas-Gebiete sowieso. Einige Versicherer zahlen nur, wenn das Fahrzeug mindestens 50 Kilometer von der Front entfernt ist – eine Distanz, die sich täglich verschiebt und unmöglich zu überprüfen ist.

Selbstbeteiligungen im Kriegsfall: Falls eine Police Kriegsschäden theoretisch deckt (was selten vorkommt), dann mit Selbstbeteiligungen von 40–50 Prozent des Schadenswertes. Ein Auto mit einem Wiederbeschaffungswert von 20.000 Euro bedeutet dann: Sie zahlen 10.000 Euro, die Versicherung 10.000 Euro. Das ist nicht Versicherung – das ist Betrug.

Evakuierungsfahrten werden nicht gedeckt: Wer sein Fahrzeug zur Flucht vor einem Luftangriff nutzt und dabei beschädigt wird, bekommt kein Geld. Der Grund ist juristisch scharfsinnig: Sie hätten wissen müssen, dass die Nutzung in dieser Situation nicht versichert ist. Die Versicherung präsentiert das als "fahrlässiges Verhalten".

Ein konkretes Beispiel aus März 2022: In Irpin wurden über 3.000 Autos durch Artilleriebeschuss und Luftangriffe zerstört. Besitzer mit Policen von Allianz, Generali oder Ergo stellten Schadensersatzanträge – und erhielten standardisierte Ablehnungsschreiben. Der Grund: Kriegsausschlussklauseln. Einige Versicherer bewilligten nur 15–20 Prozent des Schadenswertes.

Das tückischere Problem: Lebensversicherungen im Krieg

Bei Sachversicherungen lässt sich wenigstens ein Auto oder Haus vermessen und Schäden dokumentieren. Bei Lebensversicherungen wird es philosophisch: Was ist im Krieg der versicherte Todesfall?

Wenn jemand bei einem Luftangriff stirbt, argumentieren Versicherer häufig, dass dies unter die Kriegsausschlussklausel fällt – unabhängig davon, was in der Police stand. Einige Unternehmen sind noch subtiler: Sie zahlen die Versicherungssumme aus, kürzen sie aber um 30–40 Prozent wegen "erhöhter Risiken im Kriegsgebiet".

Die kritische Lücke entsteht bei unbewussten Todesfällen während Evakuierungen: Ein 45-jähriger Mann wird bei der Flucht aus Sumy in einen Verkehrsunfall verwickelt und stirbt. Die Versicherung verweigert Leistungen, weil sie das Todesrisiko während einer Evakuierung als "Kriegsfolge" einstuft – nicht als Verkehrsunfall. Die Familie erhält keinen Euro.

Auch bei Gesundheitsverschlechterungen während des Krieges zeigen sich Lücken: Wer eine Invaliditätsversicherung hat und durch Kriegstraumata arbeitsunfähig wird, kämpft Jahre um Zahlungen. Versicherer argumentieren, dass psychische Belastungen nicht unter den klassischen Invaliditätsbegriff fallen.

Was tatsächliche Alternativen bietet

Mehrere ukrainische Versicherer haben sich spezialisiert, weil der Markt international abgesprungen ist. INGO Ukraine, Allianz Ukraine (separate Struktur), ARX und FUIB decken explizit Kriegsrisiken ab – allerdings mit entsprechend höheren Prämien (30–50 Prozent teurer als vor dem Krieg).

Eine praktikable Lösung für Fahrzeugbesitzer ist die begrenzte Kaskoversicherung mit Kriegsclausel-Verzicht: Diese kostet etwa 1.200–1.800 Euro pro Jahr für einen Mittelklassewagen, deckt aber Bombardierungen, Luftangriffe und sogar Fluchtfahrten ab.

Für Lebensversicherungen bieten spezialisierte Anbieter Policen ohne Kriegsausschluss an – allerdings nur für Personen, die nachweislich nicht an militärischen Operationen teilnehmen.

Domande Frequenti

**D: Gilt die Kriegsausschluss