Roadtrip durch Europa: Die 10 schönsten Straßen 2026

Es gibt einen ganz bestimmten Moment, in dem man versteht, warum Roadtrips als Reiseform existieren. Nicht, wenn man sein Ziel erreicht. Sondern wenn man mitten im Nirgendwo ist, das Fenster offensteht, die Luft nach Waldkiefer oder Salzluft riecht, und die Straße vor dir sich ausbreitet, als würde sie dich einladen, noch ein wenig weiterzufahren. Diesen Moment, nach meiner Erfahrung, planst du nicht in Google Maps.

Europa ist dafür gemacht, mit vier Rädern erkundet zu werden. Dutzende von Nachbarländern, Landschaften, die sich alle hundert Kilometer ändern, kostenlose oder fast kostenlose Autobahnen auf bestimmten Strecken und die Freiheit, überall dort zu halten, wo du möchtest, wann du möchtest, ohne auf Billigflüge oder Zuganschlüsse zu warten. Es ist nicht die günstigste Art zu reisen, das sei klar gesagt. Aber oft die reichhaltigere.

In diesem Artikel findest du zehn europäische Straßen, die meiner Meinung nach wirklich die Reise wert sind, mit echten Kosten (einschließlich Benzin, Mautgebühren und Hotel), praktischen Tipps zur Organisation und mindestens eine unangenehme Sache zu jedem Weg — denn nicht herumdrucksen: Auch die schönsten Straßen haben ihre Schattenseiten.


Warum der Roadtrip gerade wieder angesagt ist (mit Daten)

Im Jahr 2025 verzeichneten Straßenreisen in Europa laut Lonely Planet ein Wachstum von 23 % gegenüber 2022, mit Spitzenwerten in Deutschland, Norwegen und Portugal. Das ist keine vorübergehende Mode. Es ist eine konkrete Antwort auf die Zunahme von Billigflügen, die zwar wenig kosten, dich aber hundert Kilometer von der Stadt entfernt in den Flughafen bringen, mit bezahltem Gepäck, endlosen Schlangen und null Flexibilität.

Der Roadtrip löst all das auf. Du fährst los, wann du willst. Du nimmst mit, was du willst. Du schläfst, wo du Platz findest — und oft findest du Platz: Europa ist dicht durchzogen mit Hotels zu erschwinglichen Preisen, Bauernhöfen, Hostels und B&Bs. Das durchschnittliche Budget für einen zehntägigen Roadtrip durch Europa liegt zwischen 1.200 und 2.000 Euro pro Person, gerechnet mit Mietwagen, Benzin, Unterkunft und Verpflegung. Weniger als viele All-Inclusive-Pakete auf den Malediven, mit unendlich viel mehr Freiheit.


Die 10 schönsten Straßen, die du nicht verpassen darfst

1. Trollstigen, Norwegen

Wenn du vor den Haarnadelkurven von Trollstigen stehst und das Rauschen des Wasserfalls Stigfossen hörst, der nur wenige Meter von der Straße entfernt hinunterstürzt, verstehst du, warum dies als eine der zwanzig spektakulärsten Straßen der Welt gilt. Länge: 18 km. Höhenunterschied: 850 Meter. Offen nur von Mai bis Oktober. Es gibt keine Mautgebühr, aber Benzin in Norwegen verbrennt dein Portemonnaie: Rechne mit etwa 2,23 Euro pro Liter Benzin im Jahr 2026. Pack dir eine Regenjacke ein. Immer.

Der Nachteil: Im Juli und August ist sie voller Wohnmobile. Fahre vor 7:00 Uhr los oder warte bis zum späten Nachmittag.

2. Transfăgărășan, Rumänien

Diese Straße sollte nicht existieren. Ceaușescu ließ sie durch die Karpaten aus militärischen Gründen bauen — und das Ergebnis ist eine der surealsten Routen Europas. 2.042 Meter maximale Höhe, Gletscherseen, in Felsen gehauene Tunnel. Die Kosten dafür: praktisch null. Ein voller Tank Benzin in Rumänien kostet etwa 1,68 Euro pro Liter. Ein Hotel in Curtea de Argeș für die Nacht beginnt bei 45 Euro pro Nacht.

Der Nachteil: Die Straße ist nur von Juni bis Oktober offen und ist oft in Nebel gehüllt. Fahre langsam.

3. La Ruta del Sol, Portugal (Algarve)

Wenn du an der Algarve ankommst und Salzluft vermischt mit dem Duft der gelben Ginster riechst, die entlang der Klippen wachsen, verstehst du, warum Portugal zur bevorzugten Destination des halben Kontinents geworden ist. Die N125 verläuft entlang der gesamten Südküste des Landes von Vila Real de Santo António bis Sagres. Es geht nicht schnell — ohne Pausen braucht es 4-5 Stunden — aber jede Kurve offenbart etwas Neues. Mautgebühren auf der Autoroute A22 kosten etwa 1,95 Euro pro Strecke. Viele vermeiden sie und bleiben auf der Staatsstraße: Ich rate dir, das Gleiche zu tun.

Der Nachteil: Im Sommer ist der Verkehr unerträglich. Der Roadtrip an der Algarve funktioniert besser im April, Mai oder September.

4. Stelvio Pass, Italien

Ich halte ihn für die schönste Route Italiens, ohne Diskussion. 75 Haarnadelkurven, 2.758 Meter Höhe, die Alpen umgeben dich von allen Seiten. Die Straße des Passo dello Stelvio verbindet Bormio mit Prato allo Stelvio und ist von Juni bis Oktober offen. Kostenlos. Ein Mittagessen in der Berghütte oben kostet etwa 14-18 Euro für einen Teller Pizzoccheri mit lokalem Wein — und das ist jeden Cent wert.

Der Nachteil: Die Warteschlangen im Sommer sind real. Motorradfahrer lieben sie genauso wie du. Geduld.

5. Großglockner Hochalpenstraße, Österreich

35 km Alpenstraße aus den Dreißigerjahren, mit Aussicht auf den Pasterzen-Gletscher und Österreichs höchsten Berg. Das kostet: Die Mautgebühr beträgt 40,00 Euro für einen Wagen, beinhaltet aber Zugang zu mehreren Aussichtspunkten und Museen entlang der Strecke. Es lohnt sich. Ein Hotel in Heiligenblut beginnt bei 89 Euro pro Nacht.

Der Nachteil: Oft von Wolken verhüllt. Das liegt nicht in deiner Hand, aber kann frustrierend sein.

6. Ruta de la Plata, Spanien

Weniger bekannt als der Jakobsweg, führt diese alte Straße durch Spanien von Sevilla bis Gijón über 700 km wechselnde Landschaften: Olivenhaine, Dehesa, die Meseta, asturische Berge. Sie ist nicht die landschaftlich beeindruckendste Straße auf der Liste, aber diejenige, die dir das echte Spanien zeigt. Fast keine Mautgebühren. Eine Nacht in einem historischen Parador — das spanische Staatsprogramm für Hotels in Schlössern und Klöstern — findest du in der Nebensaison ab 75 Euro.

Der Nachteil: Im Sommer ist es im andalusischen Abschnitt unerträglich heiß. August unbedingt vermeiden.

7. Causeway Coastal Route, Nordirland

Von Belfast bis Londonderry entlang der Nordküste: Der Damm des Riesen, die Burg Dunluce, die Klippen von Fair Head. Etwa 200 km Strecke. Kostenlos. Das Pfund hat 2026 immer noch einen ungünstigen Kurs für uns Europäer, aber Benzin in Nordirland ist unter den günstigsten in Europa: etwa 1,54 Pfund pro Liter. Ein B&B in Ballycastle kostet rund 65 Pfund pro Nacht.

Der Nachteil: Regen ist Teil des Erlebnisses. Beschwer dich nicht.

8. Côte d'Azur, Frankreich (D6007)

Die Wahrheit ist: Die Küstenstraße von Monaco ist im Sommer überbewertet, wenn sie zu einem teuren Parkplatz mit Meerblick wird. Aber außerhalb der Saison — Ende März, Oktober — ist diese Straße von Nizza nach Menton einfach herrlich. Der Geruch von Linden vermischt mit dem Salz des Mittelmeers, pastellfarbene Villen, Dorfmärkte. Fast keine Mautgebühren auf der Provinzstraße D6007. Ein Hotel in Èze beginnt in der Nebensaison bei 110 Euro pro Nacht.

Der Nachteil: Es ist teuer, das steht fest. Rechne nicht mit portugiesischen Preisen.

9. Ring of Kerry, Irland

Etwa 180 km um die Halbinsel Iveragh, in der Grafschaft Kerry. Grün. Immer grün. Schafe überqueren die Straße, ohne zu fragen. Die Pubs in Kenmare riechen nach Pints Guinness und feuchtem Holz. Kostenlos. Ein typisches B&B in Killarney beginnt bei 70 Euro pro Nacht. Achtung: Dem TripAdvisor zufolge ist der Ring of Kerry durchgehend in den Top 5 der meistbesuchten Destinationen Irlands, was bedeutet, dass Wohnmobile ihn im Juli und August in Elendskolonnen durchfahren.

Der Nachteil: Wie oben. Fahre im Mai oder September.

10. Via Francigena del Süd, Italien (Salerno–Reggio Calabria)

Diese führe ich auf, weil sie zu Unrecht ignoriert wird. Die SS18 Tirrena Inferiore von Salerno abwärts ist eine Staatsstraße, keine Autobahn, und führt durch Dörfer wie Maratea, Praia a Mare, Tropea, die allein schon die Reise wert sind. 100 % kostenlos. Ein B&B in Maratea kostet ab 55 Euro pro Nacht. Der Kaffee an der Dorfbar: 1,10 Euro. Die getrocknete kalabrische Chilischote, die nach Markt riecht: Nimm dir ein Bund für 3 Euro und bring es mit nach Hause.

Der Nachteil: Die Straße ist an manchen Stellen eng, mit Lastwagen, die sie durchfahren. Nicht geeignet, wenn du es eilig hast.


5 konkrete Tipps vor der Abreise

1. Buche das Auto im Voraus, nicht am Flughafen. Am Flughafen zahlst du bis zu 40 % mehr. Nutze Plattformen wie Rentalcars oder Discovercars mindestens 3 Wochen im Voraus. Für einen Kleinwagen im Juli in Norwegen rechne mit 55-75 Euro pro Tag.

2. Lade dir Offline-Karten herunter. In Norwegen, in den Karpaten und in Kalabrien verschwindet das Netz. Google Maps, Maps.me oder OsmAnd funktionieren offline. Vertrau nicht auf das Navigationsgerät des Mietwagens: Es ist oft veraltet.

3. Setze dir nicht zu starre Zwischenstopps. Roadtrips funktionieren, wenn du Spielraum hast. Wenn du ein wunderschönes Dorf entdeckst, das du nicht kanntest, willst du dich dort aufhalten können. Buche Hotels, die stornierbar sind — Booking.com und Hotels.com bieten fast immer diese Option an.

4. Prüfe ZTL-Beschränkungen. Besonders in Italien, aber auch in Spanien und Frankreich sind viele Altstädte ZTL (umweltbelastete Zonen). Parke außerhalb und laufe. Eine italienische ZTL-Strafe beginnt bei 87,00 Euro und erreicht dich Monate später zu Hause.

5. Bring eine Vignette mit, wenn du nach Österreich, in die Schweiz oder in die Tschechische Republik fährst. In Österreich kostet die digitale Vignette für 10 Tage 9,90 Euro. Ohne sie liegt die Strafe bei mindestens 120 Euro. Das Risiko ist es nicht wert.


Meine Sichtweise

Sagen wir es offen: Die Obsession für "Instagram-würdige" Destinationen ruiniert europäische Roadtrips. Ich bin Leuten begegnet, die die Transfăgărășan fahren und dabei auf ihr Handy starren, um den perfekten Fotowinkel zu finden, ohne je wirklich innezuhalten und dem Wind in den Kiefern zu lauschen. Ich habe den Ring of Kerry als Stau von zwei-Tausend-Euro-Wohnmobilen pro Monat sehen, gemietet von Influencern, die eine Eiche nicht von einer Buche unterscheiden können.

Nach meiner Meinung liegt der echte Wert eines Roadtrips nicht in der Straße selbst — sondern in dem, was passiert, wenn die Straße endet und du irgendwo zufällig anhältst. Eine Dorfbar in Kalabrien. Eine Tankstelle in Rumänien, wo der Tankwart nur Rumänisch spricht und dir einen Kaffee anbietet. Dieser Abend in Maratea 2024, in dem ich insgesamt 38 Euro ausgegeben habe — Fischessen, lokaler Wein, geröstete Haselnüsse vom alten Mann am Ufer — und ich fühlte mich reicher als in jedem Fünf-Sterne-Resort.

Der Roadtrip ist nicht für diejenigen, die garantierten Komfort wollen. Er ist für diejenigen, die das kontrollierte Unvorhersehbare wollen.


Die häufigsten Fehler (und ein echter)

**Losfahren, ohne die Benzinkosten richtig zu kalkulieren.