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KI-Giganten vor dem Börsensprung: OpenAI und Anthropic zwischen Milliardenhoffnungen und politischen Risiken

Nach dem spektakulären Börsendebüt von SpaceX richten sich alle Augen auf die nächsten großen Kandidaten aus dem Tech-Sektor – doch der Weg an die Börse ist für OpenAI und Anthropic mit erheblichen Unsicherheiten gepflastert.

Symbolbild: Computerdisplay mit KI-Logo und Börsenkursen im Hintergrund
Foto: Solen Feyissa / Pexels

Der SpaceX-Effekt beflügelt die KI-Branche

Als SpaceX im vergangenen Jahr erfolgreich an die Börse ging und damit Milliarden an frischem Kapital einsammelte, sendete das Unternehmen von Elon Musk ein klares Signal an die gesamte Technologiebranche: Selbst hochkomplexe, kapitalintensive Deep-Tech-Unternehmen können Anleger begeistern – vorausgesetzt, die Geschichte stimmt und das Wachstumspotenzial ist überzeugend. Nun mehren sich die Spekulationen, dass die nächsten großen Namen auf der Börsenliste jene Unternehmen sein könnten, die derzeit die Debatte um Künstliche Intelligenz dominieren: OpenAI, der Schöpfer von ChatGPT, und Anthropic, das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründete Konkurrenzunternehmen.

Beiden Unternehmen ist gemein, dass sie in kurzer Zeit zu wertvollsten Privatunternehmen der Welt aufgestiegen sind, riesige Investitionen angezogen haben und gleichzeitig noch weit von einem profitablen Geschäftsmodell im klassischen Sinne entfernt sind. Genau diese Kombination macht einen möglichen Börsengang zu einem der spannendsten – und riskantesten – Finanzevents der nahen Zukunft.

OpenAI: Vom Labor zum Billionen-Dollar-Kandidaten

OpenAI hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Gegründet im Jahr 2015 als gemeinnützige Forschungsorganisation mit dem erklärten Ziel, KI zum Wohl der Menschheit zu entwickeln, ist das Unternehmen unter der Führung von Sam Altman zu einem kommerziellen Giganten geworden. Die Einführung von ChatGPT im November 2022 gilt als einer der viralen Produktlaunches der Tech-Geschichte überhaupt – innerhalb weniger Tage meldeten sich Millionen Nutzer an, innerhalb weniger Monate war das Tool in Unternehmen, Schulen und Haushalten weltweit angekommen.

Microsoft hat früh und massiv investiert, mehrere Milliarden Dollar in OpenAI gepumpt und das Unternehmen tief in sein eigenes Produkt-Ökosystem integriert – von Bing bis Office 365. Die jüngsten Finanzierungsrunden bewerteten OpenAI mit bis zu 150 Milliarden US-Dollar, eine Zahl, die selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse schwindelerregend ist.

Doch der Weg zu einem Börsengang ist bei OpenAI besonders komplex. Die hybride Struktur des Unternehmens – eine Mischung aus gemeinnütziger Stiftung und kommerziellem Arm – muss zunächst umgebaut werden, bevor eine klassische Aktiennotierung möglich wäre. Sam Altman hat in diesem Zusammenhang eine Umwandlung in eine vollständig gewinnorientierte Gesellschaft angestrebt, was intern und extern für erheblichen Gesprächsstoff gesorgt hat. Kritiker, darunter Mitgründer wie Elon Musk, werfen dem Unternehmen vor, seinen ursprünglichen gemeinnützigen Auftrag zu verraten.

Anthropic: Der stille Herausforderer mit starkem Rückhalt

Weniger im Rampenlicht, aber keineswegs weniger bedeutend agiert Anthropic. Das Unternehmen wurde 2021 von Dario Amodei, seiner Schwester Daniela Amodei und weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, die sich Sorgen über die Sicherheitsausrichtung des Mutterkonzerns machten. Ihr Ansatz: KI-Entwicklung mit einem expliziten Fokus auf Sicherheitsforschung und kontrolliertes Wachstum.

Mit dem Modell Claude hat Anthropic einen ernsthaften ChatGPT-Konkurrenten auf den Markt gebracht, der in bestimmten Bereichen – insbesondere bei langen, komplexen Textzusammenfassungen und beim Umgang mit ethisch sensiblen Anfragen – als überlegen gilt. Amazon hat Milliarden in das Unternehmen investiert und damit eine strategische Partnerschaft besiegelt, die Anthropic Zugang zu immenser Cloud-Infrastruktur verschafft. Auch Google hat investiert.

Im Gegensatz zu OpenAI ist Anthropic von Anfang an als gewinnorientiertes Unternehmen strukturiert, was einen möglichen Börsengang strukturell einfacher gestalten würde. Dennoch ist auch hier eine enorme Diskrepanz zwischen Unternehmensbewertung und tatsächlichen Einnahmen zu verzeichnen.

Das Kapital der Anleger ist nicht unbegrenzt

Ein entscheidender Faktor bei der Frage, wann und ob diese Börsengänge tatsächlich kommen, ist die Aufnahmefähigkeit des Marktes. Das Kapital institutioneller Anleger und von Privatinvestoren ist endlich – und der Appetit auf hochbewertete, noch defizitäre Tech-Unternehmen hat nach den Verlusten der Jahre 2022 und 2023 merklich nachgelassen. Der Einbruch der Bewertungen vieler einstiger Einhörner hat eine kollektive Ernüchterung hinterlassen.

Gleichzeitig hat das KI-Thema eine Begeisterungswelle ausgelöst, die in ihrer Intensität an den Dotcom-Boom der späten 1990er Jahre erinnert – inklusive der warnenden Stimmen, die auf gefährliche Bewertungsübertreibungen hinweisen. Wenn nun SpaceX, OpenAI und Anthropic in kurzer Abfolge an die Börse gingen, würden sie um dasselbe Pool an Investorengeldern konkurrieren. Das könnte dazu führen, dass keines der Unternehmen die Bewertungen erzielen kann, die auf dem Privatmarkt erzielt wurden.

Ein weiteres strukturelles Problem: Viele dieser Unternehmen verbrennen in enormem Tempo Kapital. Das Training großer KI-Modelle erfordert Rechenleistung in einem Ausmaß, das die Kosten traditioneller Software-Entwicklung bei weitem übersteigt. OpenAI soll laut Medienberichten jährlich mehrere Milliarden Dollar an operativen Verlusten anhäufen – eine Zahl, die Anleger bei einem Börsengang sehr genau unter die Lupe nehmen werden.

Die Trump-Regierung als unberechenbarer Faktor

Zu den wirtschaftlichen Unsicherheiten gesellt sich ein politischer Joker: die Trump-Regierung. Die aktuelle US-Administration hat ein ambivalentes Verhältnis zur KI-Regulierung. Auf der einen Seite steht eine grundsätzliche Skepsis gegenüber staatlichem Eingriff in die Wirtschaft und eine Vorliebe für Deregulierung – was der KI-Branche kurzfristig Rückenwind geben könnte. Auf der anderen Seite hat die Regierung Trump gezeigt, dass sie einzelne Unternehmen und Branchen durchaus ins Visier nehmen kann, sei es aus geopolitischen Motiven, persönlichen Animositäten oder wirtschaftsnationalistischen Überlegungen.

Die Beziehung zwischen Elon Musk – der aktuell eng mit der Trump-Regierung verbunden ist – und OpenAI ist notorisch vergiftet. Musk hat das Unternehmen verklagt und öffentlich scharf kritisiert. Ob und wie sich diese persönliche Fehde in regulatorische oder politische Maßnahmen übersetzt, ist eine offene Frage, die Investoren nicht ignorieren können.

Darüber hinaus ist das Thema KI in der geopolitischen Konkurrenz mit China von zentraler Bedeutung. Washington möchte die Technologieführerschaft sichern, was einerseits Subventionen und Förderung bedeuten kann, andererseits aber auch Exportbeschränkungen, Auflagen für ausländische Investoren und mögliche Sicherheitsüberprüfungen für Unternehmen, die an die Börse gehen wollen.

Bewertungsfrage: Wie viel ist KI wirklich wert?

Der Kern der Herausforderung für jeden möglichen Börsengang liegt in der Frage, wie man diese Unternehmen bewertet. Klassische Bewertungsmodelle, die auf Kurs-Gewinn-Verhältnissen oder Discounted-Cashflow-Analysen basieren, sind bei Unternehmen, die keine Gewinne machen, kaum anwendbar. Stattdessen stützen sich Investoren auf Metriken wie Nutzerwachstum, Marktanteile, strategische Partnerschaften und – vor allem – auf narrative Zukunftsversprechen.

Das ist prinzipiell nichts Neues in der Tech-Branche. Amazon war jahrelang defizitär, bevor es zum profitabelsten Unternehmen der Welt wurde. Netflix verbrannte lange Zeit massiv Kapital, bevor der Streaming-Markt reifte. Die entscheidende Frage ist: Welche der heutigen KI-Unternehmen werden ähnliche Skaleneffekte erzielen, und welche werden in einem gnadenlos wettbewerbsintensiven Markt untergehen?

Die Konkurrenz ist brutal: Google, Microsoft, Meta und Amazon investieren selbst Hunderte Milliarden in eigene KI-Entwicklungen. Chinesische Wettbewerber wie Baidu und das neulich für Aufsehen sorgende DeepSeek zeigen, dass leistungsstarke KI-Modelle auch mit deutlich geringerem Kapitaleinsatz entwickelt werden können. Jeder dieser Faktoren setzt die Bewertungen von OpenAI und Anthropic unter Druck.

Szenarien für die Zukunft: Wann kommt der große Börsengang?

Marktbeobachter diskutieren verschiedene Szenarien für den Zeitpunkt möglicher Börsengänge. Ein optimistisches Szenario sieht OpenAI bereits 2025 oder 2026 an der Börse, sofern die Umstrukturierung des Unternehmens abgeschlossen werden kann und die Marktbedingungen günstig bleiben. Anthropic könnte kurz darauf folgen, möglicherweise sogar als erstes an die Börse gehen, da die strukturellen Hürden geringer sind.

Ein pessimistischeres Szenario hingegen sieht beide Unternehmen noch für mehrere Jahre im privaten Markt verbleiben – entweder weil die Börsenbewertungen unter den privaten Bewertungen liegen würden, oder weil die regulatorischen und politischen Risiken zu groß erscheinen. In diesem Fall könnten weitere Private-Equity-Runden und strategische Partnerschaften die Finanzierungslücken schließen.

Ein drittes Szenario, das selten offen diskutiert wird, aber realistisch bleibt: Eine oder mehrere der KI-Hochburgen könnten vor einem Börsengang von einem der großen Technologiekonzerne übernommen werden. Microsoft hat bereits eine enge strategische Partnerschaft mit OpenAI – eine vollständige Übernahme wäre ein logischer nächster Schritt, würde aber wahrscheinlich an kartellrechtlichen Hürden scheitern.

Was das für Anleger und die Branche bedeutet

Für Investoren, die vom KI-Boom profitieren möchten, ohne auf spekulative Privatmarktbewertungen angewiesen zu sein, bleiben vorerst die indirekten Wege: Aktien von Microsoft, Nvidia, Amazon oder Alphabet, die alle massiv von der KI-Entwicklung profitieren und gleichzeitig etablierte, profitable Geschäftsmodelle haben.

Für die KI-Branche insgesamt würde ein erfolgreicher Börsengang von OpenAI oder Anthropic eine wichtige Signalwirkung haben – er würde zeigen, dass die Wall Street bereit ist, langfristig in die Technologie zu investieren, auch wenn der Weg zur Profitabilität noch lang ist. Ein enttäuschendes Börsendebüt hingegen könnte die gesamte Branche ausbremsen und die Risikobereitschaft von Investoren nachhaltig dämpfen.

Das Rennen um den nächsten großen Tech-Börsengang hat begonnen. Ob OpenAI oder Anthropic zuerst den Schritt wagen, hängt von einer komplexen Mischung aus Marktbedingungen, internen Strukturentscheidungen und dem unvorhersehbaren politischen Klima in Washington ab. Sicher ist nur: Die Entscheidung, die diese Unternehmen treffen, wird die Finanzwelt und die Zukunft der Künstlichen Intelligenz für Jahre prägen.

Quellen

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Redazione NotiziHub

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